
Mehrfamilienhaus mit Leerstand bewerten
Leerstehende Einheiten erzeugen zunächst keine Mieteinnahmen. Gleichzeitig entstehen weiterhin Kosten für Finanzierung, Grundbesitz, Versicherung, Energie, Verkehrssicherung und Instandhaltung.
Bei der Bewertung muss deshalb geklärt werden, warum der Leerstand besteht und wie realistisch eine Wiedervermietung ist.
Unterschiedliche Leerstandsarten
Kurzfristiger Mieterwechsel
Die Wohnung ist gekündigt oder bereits geräumt und kann nach normalen Renovierungsarbeiten neu vermietet werden.
Modernisierungsleerstand
Vor der Vermietung sind umfangreichere Arbeiten erforderlich.
Technischer Leerstand
Die Einheit kann wegen Schäden, fehlender Versorgung oder erheblicher baulicher Mängel nicht genutzt werden.
Rechtlicher Leerstand
Eine Nutzung ist aufgrund fehlender Genehmigung, ungeklärter Nutzungsart oder anderer rechtlicher Themen eingeschränkt.
Struktureller Leerstand
Die Einheit lässt sich trotz Vermarktung nur schwer vermieten. Gründe können Lage, Grundriss, Zustand, Preis oder fehlende Nachfrage sein.
Bewertungsfragen bei Leerstand
- Seit wann steht die Einheit leer?
- Warum besteht der Leerstand?
- Ist die Einheit vermietungsfähig?
- Welche Arbeiten sind erforderlich?
- Liegen Angebote oder Kostenschätzungen vor?
- Welche Miete ist realistisch?
- Wie lange wird die Vorbereitung voraussichtlich dauern?
- Welche laufenden Kosten entstehen?
- Bestehen bereits Schäden durch den Leerstand?
- Liegen genehmigte Grundrisse und Flächen vor?
Drei Szenarien statt einer optimistischen Annahme
Für die Verkaufsaufbereitung empfiehlt sich eine Szenariobetrachtung:
Szenario A: Verkauf im aktuellen Zustand
Aktuelle Erträge und vorhandener Leerstand werden unverändert dargestellt.
Szenario B: Mindestinstandsetzung
Die Einheit wird mit den unbedingt erforderlichen Maßnahmen vermietungsfähig gemacht.
Szenario C: Umfassende Modernisierung
Eine höherwertige Modernisierung wird mit Kosten, Zeitrahmen und realistischer Mietperspektive gegenübergestellt.
In einer früheren internen Wellhöner Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wurden für eine Leerstandswohnung geschätzte Baukosten, laufende Aufwendungen, mögliche Jahresnettomiete und bereits bestehende Bauschäden gemeinsam betrachtet. Die historischen Beträge sind nicht auf heutige Vorhaben übertragbar. Der Vorgang zeigt jedoch, warum leerstandsbedingte Kosten, Sanierungsbedarf und künftiger Ertrag zusammen analysiert werden sollten.
Soll der Eigentümer vor dem Verkauf sanieren?
Diese Entscheidung hängt davon ab:
- ob die Finanzierung der Maßnahme gesichert ist
- wie belastbar die Kosten sind
- welche Käufergruppe angesprochen werden soll
- ob die Sanierung zeitnah umsetzbar ist
- welchen zusätzlichen Ertrag sie ermöglicht
- ob der mögliche Mehrerlös den Aufwand rechtfertigt
- welche Ausführungsrisiken bestehen
Nicht jede Sanierungsmaßnahme erhöht den Verkaufspreis um ihre vollständigen Kosten. Manche Käufer bevorzugen ein unsaniertes Objekt, wenn sie die Maßnahmen selbst planen möchten.
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Orientierung. Sie ersetzen kein Verkehrswertgutachten, keine Rechts- oder Steuerberatung und keine Prüfung eines einzelnen Mietverhältnisses. Die konkrete Bewertung erfordert die Prüfung des Objekts, der Miet- und Bewirtschaftungsunterlagen sowie der örtlichen Marktdaten.
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