
Was ist mein Mehrfamilienhaus wert?
Eigentümer beginnen ihre Wertprüfung häufig mit der Frage, welcher Quadratmeterpreis in ihrer Stadt oder ihrem Stadtteil erzielt wird. Diese Kennzahl kann eine erste Orientierung geben, bildet aber die wirtschaftliche Qualität eines Mehrfamilienhauses nur unvollständig ab.
Zwei Häuser mit gleicher Wohnfläche können deutlich unterschiedliche Verkaufswerte haben, wenn sich ihre Mieten, Kosten, Grundstücke, Gebäudezustände oder Mietverhältnisse unterscheiden.
Die wichtigsten Wertbereiche
Lage und Mikrolage
Relevant sind insbesondere:
- Stadt und Stadtteil
- unmittelbares Straßenumfeld
- Verkehrsanbindung
- Nahversorgung
- Schulen und Betreuung
- Lärm und gewerbliche Einflüsse
- Parkplatzsituation
- Nachfrage nach den vorhandenen Wohnungsgrößen
- langfristige Entwicklung des Quartiers
Die konkrete Straße kann für die Bewertung wichtiger sein als der Stadtteilname. Auch innerhalb eines als attraktiv geltenden Stadtteils können einzelne Lagen durch Verkehr, Gewerbe, bauliches Umfeld oder eingeschränkte Erreichbarkeit anders einzuordnen sein.
Grundstück
Das Grundstück beeinflusst den Wert durch:
- Größe
- Zuschnitt
- Erschließung
- Bodenrichtwert
- Stellplätze und Garagen
- Hofflächen
- Nebengebäude
- mögliche Belastungen
- rechtlich gesicherte Entwicklungsmöglichkeiten
Der Bodenrichtwert ist keine automatische Preisangabe für das gesamte bebaute Grundstück. Er muss innerhalb des jeweiligen Bewertungsmodells und unter Berücksichtigung der Grundstücksmerkmale angewendet werden.
Mieteinnahmen
Bei einem vermieteten Mehrfamilienhaus bilden die Mieteinnahmen eine zentrale Grundlage der Bewertung. Geprüft werden:
- aktuelle Nettokaltmieten
- Jahresnettokaltmiete
- Mietbeginn
- letzte Mietanpassung
- Staffel- oder Indexmieten
- Leerstände
- Mietrückstände
- Garagen- und Stellplatzmieten
- Gewerbemieten
- besondere Vereinbarungen
Gebäudezustand
Wertrelevant sind insbesondere:
- Dach
- Fassade
- Heizung
- Leitungen
- Elektrik
- Fenster
- Balkone
- Treppenhaus
- Keller
- Brandschutz
- Feuchtigkeit
- energetischer Zustand
Bewirtschaftungskosten
Nicht alle Kosten können auf Mieter umgelegt werden. Käufer berücksichtigen regelmäßig:
- Verwaltungskosten
- Instandhaltung
- Mietausfallwagnis
- nicht umlagefähige Betriebskosten
- Leerstandskosten
- laufende Rechts- oder Schadenfälle
- geplante Investitionen
Unterlagenqualität
Fehlende oder widersprüchliche Unterlagen können die Bewertung und Finanzierung erschweren. Dies betrifft besonders:
- Wohnflächenberechnungen
- Baupläne
- Genehmigungen
- Mietverträge
- Mietaufstellungen
- Kautionsnachweise
- Betriebskostenabrechnungen
- Energieausweis
- Modernisierungsnachweise
In einem internen Verkaufsfall von Wellhöner wurden für die Prüfung unter anderem Einheit, Fläche, Grundmiete, Miete je Quadratmeter, Datum der letzten Mieterhöhung, Mietrückstand, Zustand, Renovierungsstand, Kaution, Nebenabreden und Rechtsstreitigkeiten strukturiert erfasst. Diese Gliederung zeigt, welche Informationen für die Verkaufswertanalyse eines vermieteten Hauses praktisch relevant sein können.
Verkaufswert ist nicht gleich Wunschpreis
Eigentümer sollten unterscheiden zwischen:
- rechnerischem Wert
- marktgerechter Angebotspreispositionierung
- tatsächlichem Kaufangebot
- letztlich beurkundetem Kaufpreis
Ein besonders hoher Angebotspreis kann zu einer längeren Vermarktung oder zu späteren Preisreduzierungen führen. Ein zu niedrig angesetzter Preis kann dagegen wirtschaftliches Potenzial verschenken.
Die Verkaufsstrategie sollte deshalb auf einer nachvollziehbaren Objekt- und Ertragsanalyse beruhen.
Hinweis: Die Inhalte dienen der allgemeinen Orientierung. Sie ersetzen kein Verkehrswertgutachten, keine Rechts- oder Steuerberatung und keine Prüfung eines einzelnen Mietverhältnisses. Die konkrete Bewertung erfordert die Prüfung des Objekts, der Miet- und Bewirtschaftungsunterlagen sowie der örtlichen Marktdaten.
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