Due Diligence beim Mehrfamilienhauskauf
WELLHÖNER
Kapitalanleger-Akademie

Due Diligence beim Mehrfamilienhauskauf

Dieser Leitfaden betrachtet die Due Diligence aus Sicht des Käufers bzw. Kapitalanlegers. Informationen zur Vorbereitung eines Datenraums im Verkaufsprozess finden Sie separat im bestehenden Datenraum beim Mehrfamilienhausverkauf.

Wer zunächst die grundlegende wirtschaftliche Attraktivität eines Mehrfamilienhauses beurteilen möchte, kann vor der vertieften Due Diligence die zentralen Investmentkennzahlen prüfen: 10 Kennzahlen für Mehrfamilienhäuser als Kapitalanlage.

Grundlagen

Was bedeutet Due Diligence beim Mehrfamilienhauskauf?

Due Diligence bezeichnet die strukturierte Prüfung einer geplanten Investition vor dem Erwerb. Bei einem Mehrfamilienhaus reicht eine reine Betrachtung des Kaufpreises und der aktuellen Mieteinnahmen dafür nicht aus.

Ein Investor übernimmt mit dem Gebäude auch bestehende Mietverhältnisse, laufende Kosten, technische Zustände, Instandhaltungsbedarf und organisatorische Strukturen.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: „Welche Rendite zeigt das Exposé?" – sondern: „Welche Erträge, Kosten, Risiken und Investitionen sind nach dem Kauf tatsächlich zu erwarten?"

Eine gute Due Diligence soll Abweichungen zwischen dem ersten Investmentbild und der wirtschaftlichen Realität des Objekts sichtbar machen. Sie ersetzt weder eine erforderliche rechtliche Beratung noch eine fachtechnische Gebäudeprüfung. Sie schafft aber die Struktur, mit der Anleger erkennen können, an welchen Stellen eine vertiefte Prüfung erforderlich ist.

Unterlagen

Welche Unterlagen sollten Anleger vor dem Kauf prüfen?

Eine belastbare Investmentprüfung beginnt mit vollständigen und nachvollziehbaren Objektunterlagen. Auch fehlende, widersprüchliche oder nicht aktuelle Unterlagen können ein Risikosignal sein.

BereichTypische UnterlagenPrüffrage
MietenMieterliste, Mietverträge, Nachträge, aktuelle SollstellungenStimmen Vertragsmieten, Mieterliste und tatsächliche Einnahmen überein?
BetriebskostenAbrechnungen, Kostenübersichten, VersorgerverträgeWelche Kosten sind umlagefähig und welche verbleiben beim Eigentümer?
TechnikBauunterlagen, Modernisierungsnachweise, Wartungsprotokolle, SchadensdokumentationWelche größeren Maßnahmen sind absehbar?
FinanzenMietrückstände, offene Forderungen, KostenhistorieSind die angegebenen Erträge tatsächlich nachhaltig?
ObjektFlächenaufstellungen, Grundrisse, Energieinformationen, objektbezogene DokumenteSind Objektbeschreibung und tatsächlicher Bestand konsistent?

Diese Aufstellung ist nicht in jedem Transaktionsfall vollständig oder rechtlich abschließend.

Wirtschaftlich

Welche Erträge bleiben wirklich?

Die wirtschaftliche Prüfung beginnt bei den Mieterträgen, endet aber nicht dort. Anleger sollten mindestens unterscheiden zwischen vertraglicher Sollmiete, tatsächlich vereinnahmter Miete, Leerstand, Mietrückständen, umlagefähigen und nicht umlagefähigen Betriebskosten, laufenden Bewirtschaftungskosten und absehbaren Instandhaltungsaufwendungen.

Eine hohe Jahresnettokaltmiete allein macht ein Objekt nicht automatisch zu einer guten Kapitalanlage.

Mietverhältnisse

Mieterliste prüfen: Stimmen Soll, Vertrag und Realität überein?

Bei einem vermieteten Mehrfamilienhaus ist die Mieterliste eine der wichtigsten Arbeitsgrundlagen der Due Diligence. Die Angaben sollten mit den zugrunde liegenden Mietverträgen und verfügbaren Abrechnungsinformationen abgeglichen werden.

Zu prüfen sind insbesondere: Einheit, Wohn- bzw. Nutzfläche, Mietbeginn, vereinbarte Nettokaltmiete, Vorauszahlungen, Kaution, bekannte Rückstände, Index- oder Staffelmietvereinbarungen, besondere Nebenabreden und auffällige Abweichungen zwischen Liste und Vertrag.

Mieterliste beim Immobilienkauf prüfen: Checkliste für Anleger
Vertragsanalyse

Mietverträge vor dem Kauf analysieren

Mit dem Erwerb eines vermieteten Gebäudes werden bestehende Mietverhältnisse zu einem wesentlichen Bestandteil des Investments. Relevant können beispielsweise sein: unterschiedliche Vertragsgenerationen, Index- oder Staffelmietvereinbarungen, ungewöhnliche Nebenabreden, langfristige Gewerbemietverträge, mietfreie Zeiten oder Sondervereinbarungen sowie nicht nachvollziehbare Flächen- oder Mietangaben.

Bei rechtlichen Zweifelsfragen ist eine fachkundige rechtliche Prüfung erforderlich.

Mietverträge vor dem Immobilienkauf prüfen
Technik

Welche Investitionen kommen nach dem Kauf?

Ein rechnerisch attraktiver Kauf kann wirtschaftlich anders aussehen, wenn kurz nach dem Erwerb größere Investitionen notwendig werden. Abhängig von Gebäudeart, Alter und Zustand sind insbesondere relevante Bauteile und technische Anlagen zu betrachten: Dach, Fassade, Fenster, Heizungsanlage, Leitungen, Elektrik, Keller, Entwässerung, Gemeinschaftsflächen und dokumentierte oder aufgeschobene Instandhaltung.

Entscheidend ist nicht allein „Ist etwas defekt?" – sondern: „Welche Investitionen sind in welchem Zeitraum realistisch zu erwarten?"

Bei Unsicherheit oder relevanten Befunden sollte eine geeignete fachtechnische Prüfung erfolgen.

CapEx

Instandhaltungsstau und CapEx in die Kaufentscheidung einbeziehen

CapEx – Capital Expenditures – bezeichnet im Investmentkontext größere investive Ausgaben, die über die laufende Bewirtschaftung hinausgehen. Bei einem Mehrfamilienhaus können solche Investitionen die Wirtschaftlichkeit in den ersten Jahren nach dem Erwerb wesentlich beeinflussen.

Anleger sollten unterscheiden zwischen laufenden Kosten, regelmäßigem Instandhaltungsbedarf, bereits erkennbarem Instandhaltungsstau, größeren investiven Maßnahmen und möglichen Modernisierungsmaßnahmen.

Finanzierung

Finanzierung, Kapitaldienst und Cashflow

Eine Immobilie kann auf Objektebene rentabel wirken und dennoch für einen konkreten Käufer einen problematischen Cashflow erzeugen. Zur Objektwirtschaftlichkeit kommt die individuelle Finanzierungsstruktur hinzu: Eigenkapitaleinsatz, Zinssatz, Tilgung, nicht umlagefähige Kosten, Instandhaltung, Leerstandsannahmen und Investitionsbedarf.

Der Cashflow sollte nicht ausschließlich für ein optimistisches Normalszenario betrachtet werden. Sinnvoll ist zusätzlich die Frage: Was passiert, wenn Einnahmen geringer oder Kosten höher ausfallen als geplant?

Organisation

Bestehende Verwaltung und Objektorganisation prüfen

Bei einem vermieteten Mehrfamilienhaus übernimmt der Käufer nicht nur ein Gebäude, sondern faktisch auch einen laufenden Bewirtschaftungsprozess. Prüffragen: Sind Miet- und Objektunterlagen nachvollziehbar strukturiert? Sind offene Vorgänge dokumentiert? Gibt es Mietrückstände oder ungeklärte Forderungen? Welche laufenden technischen Themen bestehen? Wie soll die Verwaltungsübergabe nach dem Eigentumswechsel organisiert werden?

Verwaltung vermieteter Immobilien
Red Flags

Warnzeichen bei der Due Diligence

Nicht jede Auffälligkeit bedeutet automatisch, dass ein Investment ungeeignet ist. Sie kann aber dazu führen, dass weitere Informationen benötigt, Kosten neu kalkuliert oder Kaufpreisannahmen überprüft werden müssen.

BefundMögliches RisikoNächste Prüfung
Mieterliste stimmt nicht mit Verträgen übereinErtragsannahmen unsicherMietverhältnisse einzeln abgleichen
Wiederkehrende MietrückständeTatsächlicher Cashflow niedrigerForderungs- und Zahlungshistorie prüfen
Hoher LeerstandErtrags- oder VermietungsrisikoUrsache und marktgerechte Vermietbarkeit prüfen
Fehlende technische DokumentationInvestitionsbedarf schwer kalkulierbarTechnische Prüfung vertiefen
Erkennbarer InstandhaltungsstauHoher Kapitalbedarf nach ErwerbMaßnahmen und Kostenrahmen untersuchen
Ungewöhnliche MietvertragsklauselnWirtschaftliche/rechtliche UnsicherheitFachkundige Vertragsprüfung
Starke Abweichung Soll-/Ist-MieteExposé-Rendite möglicherweise nicht nachhaltigErtragsrechnung korrigieren
Ungewöhnlich niedrige BewirtschaftungskostenUnterkalkulation möglichKostenpositionen vollständig rekonstruieren
Entscheidung

Vom Prüfbefund zur Investmententscheidung

Green – Buy Case

Wesentliche Annahmen nachvollziehbar. Identifizierte Risiken überschaubar und in der Kalkulation berücksichtigt.

Yellow – Review

Offene Punkte oder Unsicherheiten. Vor einer Entscheidung werden zusätzliche Informationen oder Prüfungen benötigt.

Orange – Reprice

Investment grundsätzlich interessant, aber Investitionsbedarf oder Ertragsabweichungen verändern die wirtschaftlich vertretbare Kaufpreisannahme.

Red – No-Go / Fundamental Review

Wesentliche Annahmen des Investmentcases nicht belastbar oder Risiken nicht ausreichend einzuordnen.

Didaktisches Entscheidungsmodell. Keine verbindliche Anlageberatung.

Checkliste

Mehrfamilienhaus vor dem Kauf prüfen

Wirtschaftlich

Jahresnettokaltmiete nachvollzogen
Soll- und Ist-Mieten abgeglichen
Leerstand geprüft
Mietrückstände geprüft
Nicht umlagefähige Kosten berücksichtigt
Bewirtschaftungskosten plausibilisiert

Mietverhältnisse

Mieterliste geprüft
Relevante Mietverträge abgeglichen
Index-/Staffelmieten identifiziert
Kautionen nachvollzogen
Nebenabreden/Auffälligkeiten geprüft

Technik

Wesentliche Bauteile betrachtet
Heizungs-/Gebäudetechnik eingeordnet
Bekannte Schäden geprüft
Instandhaltungsstau identifiziert
Größere Investitionen abgeschätzt

Investment

Rendite mit belastbaren Daten gerechnet
Finanzierung berücksichtigt
Cashflow-Szenario betrachtet
CapEx berücksichtigt
Risikopuffer vorgesehen

Organisation

Unterlagen vollständig genug
Offene Vorgänge bekannt
Verwaltungsübergabe berücksichtigt
Häufige Fragen

FAQ: Due Diligence Mehrfamilienhaus

Due Diligence bezeichnet die strukturierte Prüfung eines Mehrfamilienhauses vor dem Kauf. Kapitalanleger betrachten dabei nicht nur Kaufpreis und Mieteinnahmen, sondern unter anderem Mietverhältnisse, tatsächliche Erträge, laufende Kosten, technischen Zustand, absehbaren Investitionsbedarf und die vorhandene Objektdokumentation.

Fachlich verantwortlich: Wellhöner Immobilienmanagement GmbH & Co. KG, Mülheim an der Ruhr. Die Inhalte dienen der Information und stellen keine Anlage-, Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Stand: August 2026.