Mieterliste vor dem Immobilienkauf prüfen
WELLHÖNER
Kapitalanleger-Akademie

Mieterliste vor dem Immobilienkauf prüfen

Einordnung

Welche Rolle spielt die Mieterliste bei der Due Diligence?

Die Mieterliste ist eine kompakte Zusammenfassung der bestehenden Mietverhältnisse. Sie hilft Investoren, die Ertragsstruktur eines vermieteten Objekts schnell zu erfassen.

Sie ist jedoch keine eigenständige Garantie dafür, dass alle Angaben vollständig und aktuell sind. Im Rahmen der Due Diligence sollten wesentliche Angaben deshalb mit den zugrunde liegenden Dokumenten und – soweit verfügbar – der tatsächlichen Zahlungssituation abgeglichen werden.

Der Grund ist einfach: Schon kleine Abweichungen bei mehreren Einheiten können dazu führen, dass die im Exposé dargestellte Jahresmiete nicht mit der wirtschaftlich tatsächlich erzielten Miete übereinstimmt.

Due Diligence beim Mehrfamilienhauskauf
Aufbau

Welche Angaben sollte eine Mieterliste enthalten?

Aufbau und Detailtiefe einer Mieterliste können je nach Objekt und Verkäufer variieren. Für eine Investmentprüfung sind insbesondere solche Angaben hilfreich, mit denen Ertrag und Mietstruktur nachvollzogen werden können.

Einheit / Wohnungsnummer
Nutzungsart
Wohn- oder Nutzfläche
Mietbeginn
Nettokaltmiete
Betriebskostenvorauszahlung
Gesamtzahlung
Kaution
Index-/Staffelmietvereinbarung
bekannte Mietrückstände
Leerstand
ggf. besondere Hinweise zum Mietverhältnis

Nicht jede Mieterliste enthält zwingend genau diese Felder.

Prüfmatrix

Mieterliste mit den zugrunde liegenden Daten abgleichen

Angabewomit abgleichen?mögliche Auffälligkeitmögliche Auswirkung
EinheitMietvertrag / ObjektübersichtEinheit fehlt oder doppeltErtrags- und Bestandsdaten möglicherweise inkonsistent
Wohn-/NutzflächeMietvertrag / Grundriss / Flächenaufstellungunterschiedliche FlächenangabenMiete je m² und Vergleichswerte unzuverlässig
NettokaltmieteMietvertragMieterliste zeigt andere MieteJahresnettokaltmiete muss korrigiert werden
tatsächliche ZahlungZahlungs-/Forderungsübersicht soweit verfügbarVertragsmiete wird nicht vollständig gezahlttatsächlicher Cashflow geringer
MietbeginnMietvertragAbweichungVertragsstruktur muss geklärt werden
Index-/StaffelmieteMietvertragKennzeichnung fehltEntwicklungspotenzial bzw. Vertragslogik falsch eingeschätzt
KautionVertrags-/Kautionsunterlagennicht nachvollziehbarÜbergabe-/Dokumentationsbedarf
RückständeForderungsübersichtwiederkehrende oder hohe Rückständeerhöhtes Ertrags-/Liquiditätsrisiko
LeerstandObjektbesichtigung / VermietungsstandEinheit als vermietet dargestellt, tatsächlich leerErtragsannahme falsch
GewerbeeinheitGewerbemietvertragLaufzeit/Nebenabreden nicht sichtbarKonzentrations- oder Wiedervermietungsrisiko
Ertragsprüfung

Sollmiete und tatsächliche Zahlung unterscheiden

Für einen Käufer ist entscheidend, nicht nur die vertraglich vereinbarte Miete zu kennen, sondern auch zu verstehen, welche Zahlungen tatsächlich eingehen. Ein Mietvertrag kann beispielsweise eine bestimmte Nettokaltmiete vorsehen, während gleichzeitig Rückstände bestehen.

Deshalb sollten – soweit im Prüfprozess verfügbar – mindestens drei Ebenen auseinandergehalten werden: die vertraglich vereinbarte Miete, die in der Mieterliste ausgewiesene Miete und die tatsächlich vereinnahmte Zahlung.

Abweichungen müssen nicht automatisch ein strukturelles Problem bedeuten. Sie sollten aber erklärt werden können.

Cashflow einer Immobilie
Ertragskennzahl

Wie die Mieterliste die Jahresnettokaltmiete beeinflusst

Die Summe der Nettokaltmieten bildet eine zentrale Grundlage für die wirtschaftliche Beurteilung eines vermieteten Mehrfamilienhauses. Wenn einzelne Angaben in der Mieterliste nicht stimmen, wirkt sich das unmittelbar auf die daraus abgeleitete Jahresnettokaltmiete und weitere Investmentkennzahlen aus.

Deshalb sollte die Jahresnettokaltmiete nicht lediglich aus einer ungeprüften Excel- oder PDF-Aufstellung übernommen werden.

Jahresnettokaltmiete
Rückstände

Mietrückstände nicht nur als Einzelbetrag betrachten

Ein einzelner kurzfristiger Rückstand ist anders zu bewerten als wiederkehrende Zahlungsprobleme. Relevant ist deshalb nicht allein die Höhe eines offenen Betrags, sondern auch dessen Struktur.

Prüffragen: Seit wann besteht der Rückstand? Betrifft er eine oder mehrere Einheiten? Ist er einmalig oder wiederkehrend? Wurde bereits eine Zahlungsvereinbarung getroffen? Sind Forderungen dokumentiert? Ist der Vorgang noch offen?

Für Anleger ist vor allem entscheidend, ob die im Investmentmodell angenommenen Mieteinnahmen tatsächlich nachhaltig erreichbar sind.

Vertragslogik

Index- und Staffelmieten korrekt erfassen

Index- oder Staffelmietvereinbarungen können für die zukünftige Mietentwicklung relevant sein. Eine Mieterliste zeigt häufig jedoch nur den aktuellen Zahlbetrag. Ob und unter welchen Voraussetzungen sich eine Miete künftig ändert, ergibt sich aus dem jeweiligen Vertrag.

Deshalb sollten Anleger mögliche Entwicklungspotenziale nicht allein aus einer Mieterliste ableiten. Maßgeblich ist die zugrunde liegende Vertragsstruktur.

Keine Rechtsberatung.

Leerstand

Leerstehende Einheiten separat betrachten

Leerstand sollte in der Mieterliste eindeutig erkennbar sein. Bei einer leerstehenden Einheit ist nicht nur die fehlende aktuelle Miete relevant.

Zusätzlich können Fragen entstehen wie: Warum steht die Einheit leer? Seit wann? Ist Renovierung erforderlich? Welche marktgerechte Miete ist realistisch? Welche Kosten entstehen vor einer Neuvermietung?

Eine theoretische Soll-Miete darf deshalb nicht automatisch mit einer tatsächlich erzielten Miete gleichgesetzt werden.

Mixed Use

Gewerbeeinheiten und Mixed Use: genauer auf Einzelmieter schauen

Bei gemischt genutzten Wohn- und Geschäftshäusern kann ein relativ kleiner Anteil der Mietverhältnisse einen erheblichen Teil der Gesamtmiete ausmachen.

Gerade bei Gewerbeeinheiten sollten deshalb zusätzlich betrachtet werden: Vertragslaufzeit, Kündigungsregelungen, besondere Nebenabreden, Flächen, Miethöhe, Konzentration auf einzelne Mieter.

Je höher die wirtschaftliche Abhängigkeit von einem einzelnen Mietverhältnis, desto wichtiger ist dessen vertiefte Prüfung.

Red Flags

Red Flags in einer Mieterliste

AuffälligkeitWarum relevant?
Summe der Einzelmieten stimmt nicht mit angegebener Gesamtmiete übereinWirtschaftlichkeitsrechnung möglicherweise falsch
Mieterliste und Mietvertrag zeigen unterschiedliche MietbeträgeErtrag muss geklärt werden
Rückstände fehlen in der Übersichttatsächlicher Cashflow kann überschätzt sein
leerstehende Einheit als voll vermietet gerechnetSoll-/Ist-Ertrag verwechselt
Flächenangaben widersprechen sichMiete pro m² / Vergleichsrechnung möglicherweise fehlerhaft
ungewöhnlich hoher Anteil eines einzelnen GewerbemietersKonzentrationsrisiko
fehlende KautionsinformationenDokumentation/Übergabe unvollständig
auffällig viele kurzfristige Mietverhältnisse / hohe FluktuationVermietungsstabilität näher prüfen

Red Flag ≠ automatisch NO-GO. Red Flag = weiterer Prüfbedarf.

Abgrenzung

Mieterliste und Mietvertrag erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Die Mieterliste liefert den Überblick. Der Mietvertrag enthält die rechtliche und wirtschaftliche Grundlage des einzelnen Mietverhältnisses. Eine professionelle Due Diligence sollte deshalb beides zusammenführen.

Die Mieterliste hilft, Auffälligkeiten zu identifizieren. Der Vertrag hilft, diese Auffälligkeiten zu verstehen.

Mietverträge vor dem Immobilienkauf prüfen
Vorgehen

In welcher Reihenfolge sollten Anleger eine Mieterliste prüfen?

1

Vollständigkeit prüfen

Sind alle Einheiten erfasst?

2

Gesamtsumme plausibilisieren

Ergeben die Einzelmieten die ausgewiesene Gesamtmiete?

3

Auffälligkeiten markieren

Leerstand, Rückstände, ungewöhnliche Miethöhen, Gewerbeanteile.

4

Verträge abgleichen

Wesentliche und auffällige Mietverhältnisse gegen die Originalunterlagen prüfen.

5

Investmentrechnung aktualisieren

JNKM, Cashflow und ggf. Rendite mit den belastbaren Daten neu berechnen.

Beispiel

Kleine Abweichungen können die Investmentrechnung verändern

VEREINFACHTES BEISPIEL – keine individuelle Anlageberatung

Mieterliste weist aus72.000 € Jahresnettokaltmiete
– eine Einheit, Jahresrückstand2.400 €
– eine Einheit leer, gerechnet mit Sollmiete6.000 €

Der tatsächlich derzeit vereinnahmte Ertrag liegt damit deutlich unter der dargestellten Soll-Miete.

Wichtig: Nicht pauschal 72.000 − 8.400 € als neue dauerhafte Jahresnettokaltmiete bezeichnen. Das Beispiel zeigt vor allem, warum Sollmiete, vertragliche Miete und tatsächlicher Zahlungseingang getrennt betrachtet werden sollten – ohne falsche buchhalterische Genauigkeit vorzutäuschen.

Checkliste

Checkliste: Mieterliste vor dem Immobilienkauf prüfen

Bestand

alle Einheiten erfasst
Nutzungsart korrekt
Leerstand gekennzeichnet
Flächen plausibel

Miete

Nettokaltmieten vollständig
Gesamtsumme geprüft
Soll-/Ist-Abweichungen markiert
Index-/Staffelmieten identifiziert

Zahlungen

Rückstände bekannt
wiederkehrende Zahlungsprobleme geprüft
tatsächliche Einnahmen plausibilisiert

Verträge

relevante Verträge abgeglichen
Mietbeginn plausibel
Nebenabreden berücksichtigt
Gewerbeverträge gesondert geprüft

Übergabe

Kautionsinformationen nachvollziehbar
offene Vorgänge dokumentiert
auffällige Mietverhältnisse geklärt

Investment

JNKM mit belastbaren Daten gerechnet
Cashflow ggf. angepasst
Due-Diligence-Befunde dokumentiert
Häufige Fragen

FAQ: Mieterliste beim Immobilienkauf

Eine Mieterliste fasst die wesentlichen Angaben zu den bestehenden Mietverhältnissen eines Objekts zusammen. Dazu können beispielsweise Einheit, Mietbeginn, Fläche, Nettokaltmiete, Vorauszahlungen, Kautionen, Leerstand und besondere Hinweise gehören. Aufbau und Detailtiefe unterscheiden sich je nach Objekt und Dokumentation.

Fachlich verantwortlich: Wellhöner Immobilienmanagement GmbH & Co. KG, Mülheim an der Ruhr. Die Inhalte dienen der Information und stellen keine Anlage-, Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung dar. Stand: August 2026.