Immobilienrendite im Ruhrgebiet
WELLHÖNER
Kapitalanleger-Akademie · Kapitel 07

Immobilienrendite im Ruhrgebiet

Regionale Renditeunterschiede richtig einordnen · Stadt, Stadtteil und Objekt getrennt prüfen · Bruttorendite um Kosten und Risiken ergänzen · keine Kaufentscheidung allein nach einer Prozentzahl treffen

Die Beispiele dienen der fachlichen Orientierung und ersetzen keine individuelle Anlage-, Finanzierungs- oder Rechtsberatung.

Grundlagen

Warum Immobilienrenditen im Ruhrgebiet unterschiedlich ausfallen

Das Ruhrgebiet ist ein polyzentrischer Wirtschafts- und Wohnraum. Es besitzt nicht nur ein einziges Zentrum, sondern zahlreiche Städte und Teilmärkte mit unterschiedlichen Funktionen, Wohnlagen und Nachfragegruppen.

Selbst innerhalb derselben Stadt können zentrale Lagen, gewachsene Wohnquartiere, Hochschulstandorte, einfache Bestandslagen und Einfamilienhausgebiete sehr unterschiedliche Voraussetzungen bieten. Eine durchschnittliche Kennzahl für eine ganze Stadt kann diese Unterschiede nur unzureichend abbilden.

Für Kapitalanleger bedeutet das: Eine höhere rechnerische Anfangsrendite ist nicht automatisch die bessere Investition. Sie kann auch Ausdruck eines niedrigeren Kaufpreises aufgrund höherer Risiken, schwächerer Nachfrage oder größeren Investitionsbedarfs sein.

Im Ruhrgebiet entscheidet häufig die Mikrolage stärker als der bloße Stadtname.

Renditetreiber

Welche Faktoren bestimmen die Immobilienrendite?

Die Rendite entsteht aus dem Verhältnis von eingesetztem Kapital, Mieterträgen, laufenden Kosten und Risiken. Regionale Unterschiede wirken auf alle diese Bestandteile.

Kaufpreis

Ein niedrigerer Kaufpreis kann die rechnerische Anfangsrendite erhöhen. Er muss jedoch zusammen mit Zustand, Lage, Vermietbarkeit und notwendigem Kapitalbedarf beurteilt werden.

Nachhaltige Nettokaltmiete

Entscheidend ist nicht nur die aktuell vereinbarte Miete, sondern auch, ob sie dauerhaft erzielbar, rechtlich belastbar und im jeweiligen Teilmarkt nachvollziehbar ist.

Leerstand und Fluktuation

Häufige Mieterwechsel, längere Vermarktungszeiten oder struktureller Leerstand reduzieren den tatsächlichen Ertrag und erhöhen den Verwaltungsaufwand.

Nicht umlagefähige Kosten

Verwaltung, Instandhaltung, Bankgebühren und weitere nicht umlagefähige Kosten mindern den Überschuss.

Gebäudezustand

Dach, Fassade, Leitungen, Heizung, Fenster, Brandschutz und energetischer Zustand können erhebliche künftige Investitionen auslösen.

Finanzierung

Zinssatz, Tilgung, Eigenkapitalanteil und Zinsbindung bestimmen den persönlichen Cashflow. Die Objektrendite und die Eigenkapitalrendite sind deshalb nicht dasselbe.

Steuerliche Situation

Steuerliche Auswirkungen hängen von der individuellen Situation ab und dürfen nicht pauschal als Renditevorteil angesetzt werden.

Verkaufs- und Anschlussrisiko

Die spätere Veräußerbarkeit hängt unter anderem von Objektqualität, Nachfrage, Finanzierungsmöglichkeiten potenzieller Käufer und Marktlage ab.

Prüfebenen

Stadt, Stadtteil und Straße getrennt betrachten

Eine regionale Prüfung sollte in mehreren Ebenen erfolgen. Der Stadtname liefert nur einen ersten Orientierungsrahmen.

EbeneTypische Prüffragen
RegionWelche wirtschaftlichen und demografischen Verflechtungen bestehen?
StadtWelche Nachfragegruppen, Arbeitgeber, Hochschulen und Verkehrsachsen prägen den Markt?
StadtteilWie unterscheiden sich Wohnqualität, Infrastruktur, Leerstand und Vermietbarkeit?
StraßeWie wirken Lärm, Bebauung, Parkplatzsituation, Umfeld und direkte Nachbarschaft?
GebäudeWelche Substanz, Energiequalität und Instandhaltungsrisiken bestehen?
EinheitWelche Miethöhe, Ausstattung, Grundrissqualität und Vermietbarkeit liegen vor?

Eine attraktive Stadtteilbezeichnung kann eine problematische Straße nicht ausgleichen. Umgekehrt kann eine solide Mikrolage innerhalb eines durchschnittlich wahrgenommenen Stadtteils eine stabile Vermietung ermöglichen.

Regionale Einordnung

Ruhrgebiet-Städte vergleichen – ohne pauschales Ranking

Mülheim an der Ruhr, Essen, Duisburg, Oberhausen, Bochum und Bottrop gehören zu den Standorten, an denen Kapitalanleger unterschiedliche Teilmärkte vorfinden. Aus dem Stadtnamen allein lässt sich jedoch keine belastbare Rendite ableiten.

Statt eine Stadt pauschal als „renditestark" oder „sicher" einzuordnen, sollten für jedes konkrete Angebot dieselben Kriterien geprüft werden.

PrüfkriteriumWas zu untersuchen ist
Kaufpreisniveaukonkreter Angebotspreis und Vergleich mit geeigneten Objekten
Mietniveaubestehende, rechtlich vereinbarte Nettokaltmiete
VermietbarkeitNachfrage nach genau diesem Wohnungstyp beziehungsweise dieser Nutzung
InfrastrukturÖPNV, Nahversorgung, Bildung, Arbeit und medizinische Versorgung
GebäudequalitätZustand, Modernisierungen und technischer Investitionsbedarf
MieterstrukturVertragsdauer, Zahlungsstand, Fluktuation und Abhängigkeiten
ZukunftsfähigkeitGrundrisse, Energiebedarf, Barrieren und Drittverwendbarkeit
VerwaltungsaufwandAnzahl der Einheiten, Problemfälle, Gewerbeanteil und technische Komplexität

Diese Matrix liefert keine Rangliste. Sie sorgt dafür, dass verschiedene Standorte nach denselben Kriterien untersucht werden.

Düsseldorf und Ratingen sind keine Städte des Ruhrgebiets. Moers und Dinslaken können als angrenzende und wirtschaftlich verflochtene Standorte betrachtet werden, sollten aber geografisch getrennt ausgewiesen werden.

Einordnung

Bruttorendite ist nicht gleich tatsächlicher Überschuss

Die Bruttomietrendite setzt die Jahresnettokaltmiete ins Verhältnis zum Kaufpreis. Für einen ersten Angebotsvergleich ist das hilfreich. Sie zeigt jedoch nicht, welcher Betrag nach Kosten tatsächlich verbleibt.

Bruttomietrendite = Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis × 100

Für eine weitergehende Betrachtung müssen mindestens folgende Positionen geprüft werden:

  • Erwerbsnebenkosten
  • nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten
  • Verwaltungskosten
  • laufende Instandhaltung
  • absehbare größere Investitionen
  • Mietausfall und Leerstand
  • Finanzierungskosten
  • persönliche steuerliche Auswirkungen
Die vollständigen Berechnungswege für Brutto-, Netto- und Eigenkapitalrendite
Hypothetisches Beispiel

Zwei Angebote vergleichen: ein vereinfachtes Beispiel

Das folgende Beispiel ist rein hypothetisch. Es bildet keine aktuellen Marktpreise oder ortsüblichen Renditen einer bestimmten Stadt ab.

KennzahlAngebot AAngebot B
Kaufpreis240.000 €320.000 €
monatliche Nettokaltmiete1.200 €1.467 €
Jahresnettokaltmiete14.400 €17.604 €
Bruttomietrendite6,00 %rund 5,50 %
absehbarer Investitionsbedarfhöherniedriger
erwarteter Verwaltungsaufwandhöherniedriger
dokumentierte Vermietungssituationgenauer zu prüfenstabiler dargestellt

Auf den ersten Blick weist Angebot A die höhere Bruttomietrendite auf. Daraus folgt noch nicht, dass Angebot A wirtschaftlich überlegen ist. Ein höherer Investitionsbedarf, mehr Leerstandsrisiko oder ein größerer Verwaltungsaufwand können den anfänglichen Renditevorteil reduzieren oder aufheben.

Angebot B besitzt im Beispiel eine geringere Bruttomietrendite, kann aber durch einen besseren Gebäudezustand und eine stabilere Vermietung einen berechenbareren Verlauf ermöglichen.

Erst eine vollständige Kosten-, Risiko- und Finanzierungsrechnung erlaubt einen belastbaren Vergleich.

Risikoprüfung

Rendite und Risiko gemeinsam bewerten

Rendite ist eine Gegenleistung für eingesetztes Kapital und übernommenes Risiko. Werden nur hohe Prozentwerte gesucht, bleiben häufig die Ursachen dieser Renditeerwartung unberücksichtigt.

nicht nachhaltig erzielbare Soll-Miete
überdurchschnittliche Mieterfluktuation
struktureller oder objektbezogener Leerstand
Instandhaltungsstau
energetischer Modernisierungsbedarf
einseitige Abhängigkeit von einem Gewerbemieter
problematische Grundrisse oder eingeschränkte Drittverwendbarkeit
fehlende oder unvollständige Unterlagen
nicht berücksichtigte Sonderumlagen
unzureichende Instandhaltungsrücklagen
hohe Finanzierungskosten
zu knapp kalkulierte Liquiditätsreserve

Eine höhere rechnerische Rendite ist häufig mit höheren Anforderungen an Prüfung, Verwaltung und Risikotragfähigkeit verbunden.

Objektform

Eigentumswohnung oder Mehrfamilienhaus?

Die regionale Standortprüfung ist für beide Anlageformen wichtig. Die Objektprüfung unterscheidet sich jedoch.

EigentumswohnungMehrfamilienhaus
Teil einer WohnungseigentümergemeinschaftGesamtverantwortung für das Gebäude
Hausgeld und Wirtschaftsplan prüfenvollständige Bewirtschaftungskosten prüfen
Beschlusssammlung und Protokolle prüfensämtliche Mietverträge und Ertragsstruktur prüfen
Höhe der Rücklage nur anteilig beeinflussbareigene Investitions- und Rücklagenplanung
mögliche Sonderumlagengrößere direkte Instandhaltungsverantwortung
Zustand des Sonder- und GemeinschaftseigentumsZustand aller Einheiten und Gebäudeteile

Auch bei einer guten Mikrolage kann eine problematische Wohnungseigentümergemeinschaft oder ein erheblicher Instandhaltungsstau die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen.

Rendite bei Eigentumswohnungen richtig berechnen

Bei vermieteten Mietshäusern, Mehrfamilienhäusern, Gewerbeimmobilien und gemischt genutzten Wohn- und Geschäftshäusern beeinflusst die spätere Verwaltung den tatsächlichen Aufwand der Kapitalanlage. Eine hohe Bruttomietrendite kann durch komplexe Mietverträge, häufige Mieterwechsel, technischen Nachholbedarf oder einen hohen Abstimmungsaufwand relativiert werden.

Die Sondereigentumsverwaltung darf nur informativ erwähnt werden. Sie ist bei Wellhöner kein aktiver Akquise- oder Leadbereich und darf nicht automatisch aus dem Kauf einer Eigentumswohnung, einer WEG-Verwaltung oder einer Mietverwaltung als angebotenes Neugeschäft abgeleitet werden.

Due Diligence

Welche Unterlagen sollten Kapitalanleger prüfen?

Allgemein

Grundbuchauszug
Flurkarte beziehungsweise Lageunterlagen
Wohn- und Nutzflächenberechnung
Bauunterlagen, soweit vorhanden
Energieausweis
Aufstellung des Kaufpreises und der Erwerbsnebenkosten
Mietverträge und Nachträge
aktuelle Mietaufstellung
Nachweise über Mietzahlungen und Rückstände
Betriebskostenabrechnungen
Versicherungsunterlagen
Dokumentation von Modernisierungen und Schäden
Finanzierungs- und Eigenkapitalplanung

Zusätzlich bei Eigentumswohnungen

Teilungserklärung
Gemeinschaftsordnung
Aufteilungsplan
Wirtschaftsplan
Jahresabrechnungen
Beschlusssammlung
Versammlungsprotokolle
Stand der Erhaltungsrücklage
geplante oder beschlossene Maßnahmen
Hausgeldaufteilung
Verwaltervertrag, soweit prüfungsrelevant

Zusätzlich bei Mehrfamilienhäusern

vollständige Mieterliste
technische Unterlagen aller Gebäudeteile
Instandhaltungs- und Modernisierungshistorie
Leerstandsübersicht
Ursachen und Dauer des Leerstands
Gewerbemietverträge
Wartungs- und Prüfverträge
Aufstellung nicht umlagefähiger Kosten
Dokumentation wiederkehrender Prüfpflichten
Informationen zu bestehenden Dienstleistungs- und Versorgungsverträgen
gegebenenfalls öffentlich-rechtliche Unterlagen

Welche Unterlagen erforderlich sind, hängt vom Objekt ab. Eine vollständige Unterlagenprüfung kann durch eine pauschale Online-Renditeangabe nicht ersetzt werden.

Soll-Mieten, geplante Mieterhöhungen und erwartete Neuvermietungserträge müssen immer getrennt von bereits vertraglich vereinbarten und tatsächlich gezahlten Ist-Mieten dargestellt werden.

Checkliste

Immobilienrendite im Ruhrgebiet in acht Schritten prüfen

1.
Anlagestrategie festlegen

Vor der Objektauswahl sollten Haltedauer, gewünschter laufender Ertrag, Eigenkapitaleinsatz, Arbeitsaufwand und persönliche Risikogrenzen definiert werden.

2.
Region und Stadt einordnen

Wirtschaftliche Verflechtungen, Nachfragegruppen, Infrastruktur und langfristige Nutzbarkeit bilden den regionalen Rahmen.

3.
Mikrolage untersuchen

Straße, direktes Umfeld, Verkehr, Versorgung, Lärm und typische Nachfragegruppen müssen konkret betrachtet werden.

4.
Mieten verifizieren

Mietverträge, Nachträge, Zahlungsnachweise, Rückstände und Leerstand müssen mit der Mieterliste abgeglichen werden.

5.
Kosten vollständig erfassen

Neben dem Kaufpreis sind Erwerbsnebenkosten, nicht umlagefähige Kosten, Verwaltung und laufende Instandhaltung einzubeziehen.

6.
Technischen Zustand bewerten

Kurz-, mittel- und langfristig notwendige Maßnahmen müssen zeitlich und wirtschaftlich berücksichtigt werden.

7.
Finanzierung und Liquidität prüfen

Zins, Tilgung, Eigenkapital, Zinsbindung und ausreichende Liquiditätsreserven beeinflussen Cashflow und Risikotragfähigkeit.

8.
Angebote einheitlich vergleichen

Alle Immobilien müssen mit denselben Kennzahlen, Zeiträumen und Kostenannahmen untersucht werden.

Die Immobilienrendite im Ruhrgebiet entsteht nicht aus dem Stadtname allein. Sie ist das Ergebnis aus Kaufpreis, nachhaltigem Ertrag, Lage, Gebäudequalität, Kosten, Finanzierung und Risiko. Eine regionale Kennzahl ist deshalb nur der Beginn der Prüfung, nicht ihr Ergebnis.

Häufige Fragen

FAQ: Immobilienrendite Ruhrgebiet

Eine pauschal gute Immobilienrendite für das gesamte Ruhrgebiet gibt es nicht. Die Einordnung hängt unter anderem von Mikrolage, Objektart, Gebäudezustand, nachhaltiger Miete, laufenden Kosten, Investitionsbedarf, Finanzierung und Risiko ab.

Die Inhalte dieses Kapitels dienen der allgemeinen Information. Sie stellen keine individuelle Anlage-, Finanzierungs-, Steuer-, Rechts- oder technische Immobilienberatung dar. Jede Immobilie, Finanzierung und persönliche Situation erfordert eine eigenständige Prüfung. Aktuelle Markt- und Objektdaten müssen zum jeweiligen Entscheidungszeitpunkt anhand geeigneter Quellen verifiziert werden. Fachlich verantwortlich: Wellhöner Immobilienmanagement GmbH & Co. KG, Mülheim an der Ruhr. Stand: August 2026.